Evangelische Kirchengemeinde Kraftsdorf

Gesprächsabend in Rüdersdorf mit Priester aus Syrien am 17.05.2018

Im Januar 2017 war Monsignore Jihad Nassif schon einmal zu einem beeindruckenden Gemeindeabend zu Gast in unserer Kirchengemeinde. Damals berichtete der maronitische Priester von der Situation der Christen in seiner Heimatstadt Homs in Syrien. Am 17. Mai 2018 konnte ihn Pfarrer Christian Kurzke erneut zu einem Gesprächsabend in Rüdersdorf begrüßen. Zuvor nahm der Geistliche an den Gottesdiensten in den Seniorenheimen Harpersdorf und mit Pfarrer Kurzke an einer Messe und Gesprächsrunde in der katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth Gera teil. Im Rahmen des Hilfsprojektes „Hilfe für Nahost“, maßgeblich von Pfarrer Kurzke und der EKM durchgeführt, wird die Aufbauarbeit von Jihad Nassif jährlich unterstützt.

Dass dies auch weiterhin sehr notwendig ist, davon wusste der Gast aus dem fernen Syrien auch diesmal sehr eindrucksvoll in Wort und Bild zu berichten. Die Verständigung klappte problemlos, denn er studierte in Deutschland und spricht sehr gut deutsch. 

Kürzlich konnte seine maronitische Gemeinde in Homs, der drittgrößten Stadt Syriens, den 4. Jahrestag der Befreiung von den fundamentalistischen Milizen feiern. Sie hatten im Krieg gegen die Assad-Armee alles zerstört, was zum Leben gehörte. Ganze Straßenzüge waren ein riesiges Trümmerfeld, alle Wohnungen unbewohnbar, der Gang durch die Straßen gefährlich. Es gab weder Wasser noch Strom, keinen Bahnhof, kein Heizöl, keine Schulen mehr. Auch seine Kirche wurde Opfer der Zerstörungswut. Ganz zu schweigen von den psychischen Qualen und traumatischen Erlebnissen, denen die Menschen ausgesetzt waren. Trotzdem blieb der Priester als einziger Geistlicher in Homs vor Ort bei seiner Gemeinde. Die ihm anvertrauten Menschen in ihrer großen Not allein zu lassen, kam für ihn zu keiner Zeit infrage. Trotz der Angst, die auch er hatte, blieb er im zerstörten christlichen Viertel, machte den Menschen in schweren Zeiten immer wieder Mut, betete mit ihnen und verteilte Hilfsgüter und Spendengelder, auch gemeinsam mit Pfarrer Kurzke.

Wie sieht es heute in Homs aus? Das wollten die Besucher des Abends natürlich gern wissen. Jihad Nassif gab auch dazu bereitwillig und gern Auskunft. Auch wenn es noch immer keine Waffenruhe in Syrien gibt, die Währung um das 10-fache abgewertet ist und alle Waren sehr teuer sind, kehren trotz aller noch bestehenden Probleme langsam wieder das Leben und der Alltag zurück. Besser gesagt, der Priester und seine Gemeinde kämpfen jeden Tag dafür. Oberster Grundsatz von Jihad Nassif ist dabei die Solidarität der christlichen Gruppierungen untereinander und miteinander. Seine Kirche dient allen Menschen und versucht an vielen Stellen, ihr Leben besser zu machen. So ist die Kirche zu einem Begegnungszentrum geworden, in dem sich alle Christen von Homs zu Hause fühlen. Am Abend kommen sie in den Gemeindesaal, essen und reden miteinander und die Heizkosten sparen sie außerdem. Zu Festen werden auch die Alleinstehenden eingeladen und in die Gemeinschaft integriert. Tagsüber wird der Gemeindesaal zum Kinderhort. Auf diese Weise werden alle Altersgruppen einbezogen und die Ökumene, die vor dem Krieg sehr ausgeprägt war, funktioniert wieder und ist sogar noch enger geworden. Nicht nur Christen, auch Muslime machen von den Angeboten regen Gebrauch. Und es gibt auch wieder Wasser, Strom und Heizöl, auch wenn es lange dauerte, bis es soweit war.

Gern berichtete der Priester von weiteren Aufbauerfolgen. Der Neubau eines Gemeindezentrums konnte mit Unterstützung der „Hilfe für Nahost“ weiter gebaut werden. Eine Bohrung in 135 Meter Tiefe förderte schließlich auch das fehlende Wasser dafür zutage, für Jihad Nassif ein Zeichen Gottes, das ihm Mut zum Weitermachen gab. Schulen und die Universität sind wieder in Betrieb. Durch die Hilfsgelder konnten Zimmer für 40 Studentinnen im maronitischen Kloster renoviert, Einschusslöcher beseitigt sowie Fenster und Türen repariert werden. Erste kleine Handwerksbetriebe von Gemeindegliedern haben ihre Arbeit aufgenommen. Eine große Aufgabe für einen langen Zeitraum wird die Wiederherstellung der Wohnungen und Häuser bleiben, aber es wird allerorten renoviert und gebaut. In der Stadt sieht man wieder kleine Blumenbeete sowie Katzen und Hunde. Ohne Zweifel Zeichen der Hoffnung nach schweren Kriegsjahren ohne diese kleinen Alltagsdinge. Vor dem Krieg war Syrien ein schönes und fortschrittliches Land. Es gab Arbeit und genügend zu essen sowie viele Obst- und Gemüseanbaugebiete. Die Christen waren anerkannt und konnten ihre christlichen Feste feiern. Schulen und Universitäten wurden von jungen Leuten aller Glaubensrichtungen besucht, Kopftücher sah man nicht im Straßenbild. Bis es annähernd wieder so wird, ist es noch ein weiter Weg. Ohne fremde Hilfe wird das nicht möglich sein. Deshalb wird das Hilfsprojekt für den Nahen Osten weiter geführt. Mittlerweile gehen dafür Spendengelder aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich ein. Der sympathische Geistliche dankte zum Abschluss des Gesprächsabends bewegt für alle bisher erwiesene Hilfe und bat die Anwesenden herzlich, auch weiterhin für ihn und seine Gemeinde in Homs zu beten. Diese Gewissheit gab und gibt ihm sehr viel Kraft für viele künftige Aufgaben und ein Leben, dass wir uns zum Glück nicht vorstellen können.

Monika Grzanna

 

Gemeindeabend am Kamin im Zeichen der Musik mit Pfarrer Sebastian Kircheis im Februar 2018

In den Gemeinden unseres Kirchspiels Rüdersdorf-Kraftsdorf ist er nach wie vor bekannt und beliebt. Viele erinnern sich gern an seine Gottesdienste in unseren Gemeinden, an die Predigten zu Himmelfahrt in der Tesse und in der St. Gangloffer Kirche und natürlich an seine Zeit als Vakanzvertreter von 2004 bis 2006, bevor Pfarrer Kurzke zu uns kam. 13 Jahre war er Pfarrer im Kirchspiel St. Johannis Gera, seit 2012 ist er an der Stadtkirche St. Peter und Paul, der Herderkirche in Weimar als Pfarrer tätig. Am 22.02.2018 kam er zu einem Gemeindeabend am knisternden Kamin nach Rüdersdorf und die Freude der zahlreichen Besucher, ihn weder zu sehen und zu erleben, war groß.

Seinen Vortrag hatte Sebastian Kircheis unter den Psalmvers 89,2 „.Ich will singen von der Gnade des HERRN ewiglich.“ gestellt. Lieb geworden ist er ihm in der Vertonung von Francesco Durante. Musik und Gesang haben schon immer eine große Rolle in seinem Leben gespielt und das wird sich keinesfalls ändern. Von Kindesbeinen an hat ihn dies begeistert, für sein Leben geprägt und nie mehr losgelassen. Darüber wusste er sehr eindrucksvoll und hoch interessant zu berichten. Aufgewachsen in einem christlichen Elternhaus gehörte die Kirchenmusik einfach und selbstverständlich zum Leben dazu, denn sein Vater war Pfarrer und vorher Sänger am Theater. Diese Erfahrungen brachte derselbe voll in den Gemeindegesang und die Arbeit mit Chören in seine Pfarrstelle ein. Der bekannte Kreuzkantor Rudolf Mauersberger wollte ihn als Knaben gerne für seinen Dresdner Kreuzchor gewinnen, doch die Eltern erlaubten es in den schweren Nachkriegsjahren nicht. Als der Sohn Sebastian diese Geschichte hörte, wuchs bei ihm der Wunsch, in einem solchen Chor mitzusingen. So versuchte er es beim Dresdner Kreuzchor und wurde angenommen. 1973 begann für ihn der Alltag als Kruzianer mit Unterricht am Kreuzgymnasium und vier Mal Chor- und Einzelproben am Tag, der meist einem Arbeitstag von 12 Stunden entsprach. Als verpasste Kindheit hat er diese 9 Jahre nicht empfunden, vielmehr als eine sehr prägende und positive Zeit für die Entwicklung der Persönlichkeit. „Wir hatten dort jeden Tag das Gefühl, wichtig zu sein, denn die Kreuzkirche mit dem Kreuzchor hat das ganze Jahr über eine große Anziehungskraft. In die Gottesdienste, in denen der Chor singt, kommen immer viele Menschen. Besonders zu Weihnachten war das zu spüren, Allein 10.000 Besucher in zwei Christvespern und das Singen in einer stets vollen Kreuzkirche waren schon großartig“, so der Pfarrer im Rückblick. „Ich habe mich dort immer sehr wohl und zu Hause gefühlt, weil mir der kirchliche Bereich der Chorarbeit großen Spaß gemacht hat. Die liturgische Entfaltung der Gottesdienste war vor allem Verdienst des großen Kreuzkantors Rudolf Mauersberger. Er hat den Chor stark geprägt, eigene Stücke für den Chor geschrieben und die Gottesdienste inszeniert. So wurden bspw. die Episteln und Evangelien nicht gesprochen, sondern von uns gesungen“, fährt Sebastian Kircheis voller Begeisterung und Dankbarkeit fort.

Nach diesen Glanzpunkten folgte jedoch erst einmal ein absolutes Kontrastprogramm für den jungen Mann. Wie alle anderen musste er seinen Wehrdienst ableisten und so kam er für 18 Monate als Bausoldat nach Prora auf Rügen. Von Wichtigkeit war da keine Spur mehr, im Gegenteil. Er und seine Kameraden bekamen es täglich zu spüren, dass sie das Letzte waren, was dem sozialistischen Staat zugemutet wurde. So drückte es der Vorgesetzte wörtlich aus. Es war keine gute Zeit, aber Sebastian Kircheis fand ein Gegenstück zur ausweglosen Situation. Unter den Bausoldaten fand er Kirchenmusiker und gründete mit ihnen ein Gesangsquartett. In der Adventszeit sangen sie für ihre 160 Kameraden auf dem Gang der Kaserne, wobei zur Hälfte auch christliche Lieder erlaubt wurden. Jahre später traf er einen Leidensgenossen wieder, der ihm sagte: Ihr habt uns damals mit eurem wunderbaren Gesang das Leben gerettet. 

Während des Theologiestudiums klappte es dann auch mit dem Singen in Leipzig. Unter Chorleiter Georg Christoph Biller konnte er seine Stimme weiter ausbilden und fand es besonders gut, dass den Chorsängern mit dem Singen auch die Grundlagen des christlichen Glaubens gut vermittelt wurden.

Seine erste Pfarrstelle trat Kircheis in Rudersdorf bei Buttstädt an. Kirchenmusikalisch traf er dort auf eine Wüstenlandschaft, außer einem örtlichen Gesangsverein gab es nichts. Für den jungen Pfarrer ein Zustand, der langsam aber sicher geändert werden musste. Zunächst übernahm er die Leitung des Chores und sang mit den Kindern des Ortes. Mit der Zeit entwickelte sich eine Kurrende mit 15 bis 18 Kindern daraus, mit denen er Konzerte gab und auch auf Reisen ging, bspw. 1994 nach Mühlsdorf. Einen Posaunenchor mit Kindern und Jugendlichen baute er ebenfalls auf, der 50 bis 60 Auftritte im Jahr hatte. Die Arbeit mit Kindergartenkindern kam hinzu, als die Kirchengemeinde einen Kindergarten als Träger übernahm. Er lernte Gitarrespielen, um mit den Kindern christliche Lieder zu singen und Geschichten vorzulesen. Obwohl er sich nie vorstellen konnte „ein Kinderonkel“ zu sein, macht er diese Arbeit bis heute gern. 

An der Geraer Johanniskirche beschritt er ebenfalls Neuland in Sachen Glaubensvermittlung mit Hilfe der Musik. Prägnant waren hier der Heinrich-Schütz-Chor und ein hervorragender Kantor. Doch Angebote für Kinder und Jugendliche fehlten. Deshalb baute er in Zusammenarbeit mit dem Kantor eine Jugendkantorei auf, später auch eine Kurrende, und rief die Kindersamstage ins Leben, die es noch heute gibt. 

Nach der Geraer Zeit begann 2012 eine neue andere Zeit für den gestandenen Pfarrer an der Herderkirche in Weimar, zweifellos eine Herausforderung in einer überregional bekannten Kirche mit vielen Touristen. Manches übernahm er aus der Zeit in Gera wie die Arbeit im christlichen Kindergarten und die Kindersamstage. Aber die Herderkirche sollte für Pfarrer Kircheis nicht nur eine Touristenkirche sein, sondern auch ein Ort des Gebetes. Jeden Tag um 12.00 Uhr wird deshalb zum Mittagsgebet eingeladen, im Sommer wie im Winter wird es gut angenommen. Für mehr Taufen und Konfirmationen entwickelte er mit seinen Kollegen ein Taufprogramm mit Angeboten für Eltern und Kinder ab dem 1. Lebensjahr. Für Kinder von drei bis 7 Jahren und ihre Eltern gibt es in Weimar die Familienkirche mit einem Gottesdienst, der 30 Minuten dauert. Die Reihe musikalischer Vespergottesdienste am Samstagabend setzt musikalische Akzente. Dazu werden unbekannte Chöre eingeladen, die im Rahmen der Vespern in der Herderkirche mitwirken. So entstehen kurze musikalische Gottesdienste, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Klar ist, dass das alles nicht von allein geht, sondern Ideen, Fleiß und Durchsetzungsvermögen sowie ein gutes Team an Ehrenamtlichen dazu gehören, ebenso wie Gottvertrauen und Vertrauen in die eigene Kraft.

Wir sagen ein herzliches Dankeschön an Pfarrer Sebastian Kircheis, der nicht nur viel aus seinem bewegten und reichen Leben und Wirken zu erzählen hatte, sondern es vor allem berührend und authentisch tat und dabei immer bescheiden blieb. Zum Abschluss nahm er die Gitarre zur Hand und sang auch mit uns mehrere Lieder. Das tat gut, war einfach schön und unterstrich einmal mehr die Kraft und Wirkung der Musik. Dieser Gemeindeabend wird als ein besonderer in bester Erinnerung bleiben. Wir wünschen Pfarrer Kircheis Gesundheit, Glück und Gottes Segen für die Zukunft.

Monika Grzanna

 

Gemeindeabend am Kamin am Freitag, 12.01.2018: Eine besondere Reise in eine andere Welt

Der Everest musste es nicht unbedingt sein, aber einmal im Leben einen Achttausender in Natura sehen, das war der große Traum von Matthias Bauer aus Rüdersdorf. Im Herbst 2017, nach einem Jahr Vorbereitungszeit, wurde sein Traum Wirklichkeit. Mit drei weiteren Mitstreitern, dem Mühlsdorfer Ingo Weidhaas sowie Benno und Lars aus Gera ging die Reise nach Kathmandu in Nepal. Für drei Wochen waren sie in dem Land zwischen China und Indien, ehemals britische Kolonie, heute Republik und eines der ärmsten Länder Asiens, zu Gast. Auf ihrem Reiseplan stand die Annapurna-Umrundung, eine sehr begehrte und schöne Wanderung im Himalaja. Über ihre Erlebnisse und die vielfältigen Eindrücke dieser außergewöhnlichen Reise berichteten sie sehr eindrucksvoll im Rahmen eines Vortrages in Bild und Ton zum Gemeindeabend am 12. Januar 2018 im voll besetzten Rüdersdorfer Gemeindezentrum. Interessiert und gespannt verfolgten die Besucher die Schilderungen aus einer für uns fremden Welt.

Die 200 km lange Rundwanderung im Annapurna-Nationalpark mit Start in Nepals Hauptstadt Kathmandu bot den vier Bergenthusiasten sowohl großartige Landschaften in verschiedenen Vegetationszonen als auch tiefe Einblicke in das oft beschwerliche Leben der Einheimischen in den Bergdörfern. Mit einem Guide und zwei Trägern aus Nepal machten sie sich auf den Weg. Große Teile des Landes sind vom Hochgebirge bedeckt, doch die Baumgrenze liegt viel höher als in den Alpen. So durchquerten die Wanderer Regenwälder und subtropische Zonen, sahen Oasen, riesige Schneeberge und Gletscher im Hochgebirge, beobachteten das Leben der Menschen und ihre farbenfrohen und fröhlichen Feste, bestaunten Klöster und bewegten Gebetsmühlen. Viele Dörfer in den Bergen sind nur über lange schwankende Seilbrücken über tiefe Täler erreichbar, nichts für Angsthasen.  Hauptwanderwege und Pisten für Jeeps wurden in den Fels geschlagen und sind gut zu laufen. Auf den schmalen Wegen im Gebirge musste man dagegen trittsicher und schwindelfrei sein. Für die Übernachtung standen einfache Lodges zur Verfügung, warmes Wasser zum Duschen gab es nicht immer. Das Essen war regional und schmackhaft und bestand meist aus Geflügel und Gemüse. Große Teile der Wanderstrecke lagen in Höhen zwischen 1100 und 3500 Meter, doch führte der Weg ständig bergauf und bergab. Pro Tag legten sie ca. 15 km  zurück, für die sportlich trainierten und körperlich fitten Männer kein Problem. Das heiß ersehnte und schönste Ziel der Tour erreichten sie nach 100 km. In einer Höhe von 5.416 Metern, dem höchsten Punkt der Wanderung, überquerten sie den Pass Thorung (Donnerpass). Von hier aus sahen sie bei herrlichem Wetter das gigantische  schneebedeckte Annapurnamassiv, das mit seinem höchsten Gipfel 8091 Meter hoch ist und zu den höchsten und schönsten Bergen der Welt zählt. Etwas weiter entfernt waren außerdem der Dhaulagiri mit 8167 Metern und weitere beeindruckende Gebirgsmassive zu sehen. Die vier Bergwanderer hatten ihr großes Ziel erreicht, ihren Traum verwirklicht und das war traumhaft schön, überwältigend und unvergesslich. 

Große Freude und Dankbarkeit erfüllte sie, dass sie trotz mancher kleiner Probleme viel Glück und die nötigen Schutzengel hatten, ihre Reise gesund und fröhlich fortsetzen und nach 200 km erfolgreich beenden konnten. Es war unbestritten ein Abenteuer und manchmal auch gefährlich. In einem Hochtal gerieten sie in den täglichen Sandsturm, mussten per Bus weiterfahren, der eine Panne hatte, aber es ging alles gut. Als es auf dem Weg zum Pass immer höher hinauf ging, mussten sie gegen die ersten Anzeichen der Höhenkrankheit ankämpfen. Mit sehr viel trinken und langsam laufen konnten sie erfolgreich gegensteuern. Alle vier meisterten diese schwierige Etappe und wurden nicht höhenkrank. 

Mit unzähligen Eindrücken und Fotos kehrten sie in die Heimat zurück, aus dem einfachen Leben voller Gegensätze in unsere Welt voller selbstverständlicher Annehmlichkeiten. Was hat sie besonders bewegt? Dazu mussten sie viele Fragen der Besucher beantworten. Dass sie Land und Leute hautnah und unverfälscht kennen lernen konnten und erfuhren, wie das tägliche Leben trotz aller Erschwernisse funktioniert, in der Großstadt wie in den Dörfern, das war schon hoch interessant. Genau genommen war es aus unserer Sicht in vielen Dingen eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert. Dass Handarbeit vorherrscht, es nur wenige Straßen und kaum Eisenbahnen gibt, 40 % der Nepalesen nicht schreiben und lesen können, eine Schulpflicht praktisch nur für die Grundschule besteht und ein Lehrer gerade mal 100 Euro im Monat verdient, stimmte schon sehr nachdenklich. Besonders beeindruckend war das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Religionen. Eine wichtige Rolle für das Land spielt der Tourismus. Pro Jahr kommen 300 000 Touristen aus aller Welt zu den höchsten Bergen der Erde. So wie unsere Bergwanderer stärken sie die Wirtschaft und sichern so manches Familieneinkommen.

Monika Grzanna

 

 

Gemeindeabend am Kamin mit Pfarrer Uwe Heimowski aus Gera am 28.01.2016

In Gera und Umgebung ist Uwe Heimowski nicht nur als Pastor der Evangelisch- Freikirchlichen Gemeinde in der Gagarinstraße (G 26) vielen Menschen bekannt. Darüber hinaus ist er Buchautor und Pädagoge, sitzt für die CDU im Geraer Stadtrat und ist als Referent eines Bundestagsabgeordneten tätig. Zuweilen spricht er das geistliche Wort zum Tag im Rundfunk oder schreibt das Wort zum Sonntag in der Heimatzeitung. Am 28.01.2016 war er zu Gast beim Gemeindeabend in Rüdersdorf, wo man den sehr vielseitigen Kirchenmann und sympathischen Zeitgenossen näher kennenlernen und erfahren konnte, wie er sich als Christ in die sehr unterschiedlichen Aufgaben einbringt.

Als Bibelvers für den interessanten Gesprächsabend hatte sich der 51-jährige ein Wort aus dem Korintherbrief, Kapitel 12 ausgesucht. Dort heißt es: Durch den einen Geist wurden wir alle in der Taufe in einen einzigen Leib aufgenommen und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt. Dieses Bibelwort kann durchaus als Leitspruch für seine Arbeit auf allen Gebieten gelten. Uwe Heimowski geht es vor allem um zwei Dinge: um ein lebendiges und buntes Gemeindeleben in der G 26, die offen ist für alle, die kommen und um konkrete Hilfe für Menschen, die sie dringend brauchen, sei es im ganz normalen Alltag oder für Randgruppen der Gesellschaft, denen sich der fünffache Familienvater seit langem besonders verbunden fühlt. Wie es dazu kam und wie sein Lebensweg bis heute verlief, darüber berichtete er sehr offen und ehrlich. Als Jugendlicher hatte er trotz Taufe und Konfirmation mit Glauben und Kirche nicht viel am Hut. Im Gegenteil, Alkohol und Drogen bestimmten für Jahre sein Leben, das er irgendwann sinnlos fand und nicht mehr leben wollte. Durch ein erhörtes Gebet in seiner tiefsten Krise fand er zurück ins Leben und zurück zum Glauben. Menschen einer Freikirche nahmen ihn auf und kümmerten sich um ihn, deshalb blieb er dabei. Die harte, aber erfolgreiche Entzugstherapie dauerte 1 ½ Jahre. Danach stand für ihn fest, etwas aus seinem Leben zu machen und mit seinen Erfahrungen anderen Betroffenen zu helfen. Er machte eine Ausbildung zum Erzieher, leistete Zivildienst bei der Heilsarmee in Hamburg und leitete eine Aids-Beratungsstelle. Schließlich studierte er Theologie in Hamburg, in der Schweiz, wo er seine Frau kennenlernte und in Halle/ Saale. Dieser lange Weg mit vielen Stationen dauerte insgesamt 13 Jahre und ist für Uwe Heimowski, wie er selbst sagte – „ein wahres Wunder, das ich manchmal nicht fassen konnte. Immer, wenn Gott  eine Tür zumachte, ging eine neue für mich auf.“ So kam er noch als Student ins Jugendheim nach Bad Köstritz, hier arbeitete er mit suchtkranken Jugendlichen. 2001 führte ihn sein Weg schließlich nach Gera, wo er mit seiner Familie lebt und seit 2001 mit viel Engagement die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde leitet.

Auch hierüber berichtete er sehr anschaulich und machte um die Unterschiede zu den großen evangelischen und katholischen Kirchen in Deutschland keinen Bogen. Die Besucher erfuhren aus erster Hand, dass sich Freikirchen aus Spenden und Einnahmen selbst finanzieren müssen und keine staatlichen Zuschüsse bekommen. Auch die Strukturen sind völlig anders. Das höchste Gremium ist nicht der Landes- oder Bundesverband, sondern die Ortsgemeinde, der in Gera ca. 220 Mitglieder angehören. In Thüringen gibt es 42 Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden, in Deutschland 860 mit insgesamt 84.000 Mitgliedern. Gegründet wurden die evangelischen Freikirchen als Baptistengemeinden im 19. Jahrhundert. Eine feststehende Gottesdienstordnung ist nicht vorhanden, die Gestaltung der Gottesdienste liegt in der Hand der Gemeinde, was Vor- und Nachteile hat. Mitglied einer Freikirche wird man durch die bewusste Entscheidung dafür und durch die Taufe als Erwachsener bzw. frühestens im Alter von 14 Jahren. Die Kindertaufe gibt es demzufolge nicht, eine Tatsache, die zu lebhaften Diskussionen führte und für evangelische und katholische Christen nicht vorstellbar ist, schließlich beginnt damit unser Weg mit Gott. Für Uwe Heimowski sind jedoch die Unterschiede zwischen den Kirchen nicht entscheidend und ein Hemmnis sind sie auch nicht, denn da geht er mit großer Toleranz zu Werke. Für ihn ist die Zusammenarbeit zum Wohl der Menschen wichtig, sowohl auf kirchlicher Ebene als auch bei seiner Arbeit im Geraer Stadtrat. Wenn er da etwas bewegen und gleichzeitig auch das Verständnis für die Ziele und Grundsätze kirchlicher Arbeit und christlichen Glaubens wecken kann, dann ist er froh und dankbar. Sein Grundsatz ist einfach und treffend: „Religion und lebendiger Glaube trägt durch gute und schwere Zeiten unseres Lebens, ganz gleich, welcher Konfession oder Glaubensrichtung wir angehören. Der Glaube trennt uns nicht, er verbindet uns“.

Monika Grzanna

 

 

Das von Pfarrer Christian Kurzke und seiner Frau Claudia Rammelt ins Leben gerufene und realisierte Hilfsprojekt für die Flüchtlinge im Nordirak hat viele Menschen zur tatkräftigen Mithilfe und großen Spendenbereitschaft bewegt. Aus einer Idee wurde eine gewaltige und beispielgebende Hilfsaktion, die weit über die Grenzen unserer Kirchengemeinde Rüdersdorf/ Kraftsdorf hinausging und ungeahnte Ausmaße annahm. So konnten Ende Januar rund 600 Bananenkisten mit Kleidung und 150 Kisten mit Drogerieartikeln auf die Reise per Lkw zunächst nach Gießen und schließlich in den Nordirak auf die Reise geschickt werden. Hinzu kamen Spendengelder in Höhe von rund 25.000.- Euro. 10 Tage dauerte es, bis der Lkw mit den Hilfsgütern im Kurdengebiet im Nordirak ankam. Dort kümmerte sich die zur CARITAS gehörende christliche Hilfsorganisation „CAPNI“ um die Verteilung der Spenden an die Flüchtlinge. Ende Februar reiste Pfarrer Kurzke für eine Woche in den Nordirak, um sich an Ort und Stelle über die Lage der Flüchtlinge zu informieren und vor allem auch selbst Spenden an sie zu verteilen. Über diese nicht alltägliche Reise berichtete er nach seiner Rückkehr in einem sehr bewegenden Gemeindeabend in Rüdersdorf, der gleichzeitig der erste Abend der Bibelwoche 2015 war. Das Thema der Bibelwoche, die „Mahnung zur Brüderlichkeit“ aus dem Galaterbrief war auch das voll zutreffende Motto der Hilfsaktion. Dort heißt es in Kapitel 6, Vers 10: Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, ganz besonders aber denen, die wie wir durch den Glauben zur Familie Gottes gehören.

Während seines Aufenthaltes in und um die Städte Erbil und Dohuk lernte Christian Kurzke zahlreiche ganz verschiedene Mitglieder der großen Familie Gottes und ihre oft traurigen Geschichten kennen. Da war zunächst das Team von CAPNI in Erbil mit seinem Leiter, Erzdiakon Emanuel Youkhana als Hauptansprechpartner. Beide kennen sich gut seit Kurzkes Tätigkeiten im Libanon und in Syrien. Zum CAPNI-Team gehören u.a. Ärzte,  Apotheker, Kraftfahrer und Bürokräfte. Mit Youkhana und seinen Leuten besuchte Pfarrer Kurzke die großen Flüchtlingslager. In der Nähe von Dohuk gibt es drei solcher Zeltstädte, hier leben jeweils ca. 15.000 Menschen, meist Jesiden und Sunniten, auch Muslime sind darunter. Christen findet man kaum dort, viele flohen in den Libanon oder wollen in andere Länder auswandern. Von den ehemals 2,5 Millionen Christen im Irak leben heute nur noch ca. 20.000 dort. Auch sie werden ihre Heimat aus Angst vor den IS-Milizen verlassen. 30 % der Flüchtlinge sind Kinder, darunter viele Waisen. Einen großen Anteil haben Menschen im erwerbsfähigen Alter, Ältere trifft man nur wenige, viele starben auf der Flucht. Alle sozialen Schichten sind vertreten, vom Arbeiter bis zum Uni-Professor. 

In Erbil, einer Kleinstadt in der Größe von Weida, leben mittlerweile 180.000 Flüchtlinge vorwiegend in Wohncontainern. Der gesamte Platz vor der Kirche ist voll belegt damit. Zahlreiche Flüchtlinge leben in großen Rohbauten am Rand der Städte, auch sie werden von CAPNI mit Hilfsgütern versorgt. Andere versuchen sich allein durchzuschlagen und leben in dürftigen Notunterkünften. Viele Menschen flohen seit dem Sommer 2014 schon mehrmals vor den nahenden Terrormilizen des Islamischen Staates, viele sind traumatisiert, haben Angehörige verloren und schlimmes Leid erlebt. Sie sind froh, noch am Leben zu sein, auch wenn das Leben in den Lagern auf kleinstem Raum schwer und entbehrungsreich ist. Eine Wasser- und Abwasserver- und entsorgung wie bei uns gibt es nicht. 150 Menschen müssen sich eine Küche und ein WC teilen, für uns unvorstellbar. Doch kleine Lichtblicke gibt es: in einem Lager wird schon eine feste Schule gebaut und im Gebiet von Erbil richtete das Hilfswerk einen Radiosender ein, der auch für den mehrsprachigen Schulunterricht der Kinder in den Flüchtlingslagern genutzt wird, denn in den Lagern gibt es keine Schulen.

Pfarrer Kurzke verteilte auch selbst zahlreiche Spenden und Hilfsgüter, neben unseren gesammelten Kleidungsstücken und Drogerieartikeln freuten sich die Menschen in den Lagern und Dörfern über Heizgeräte und Heizöl sowie über Geldspenden, die er an christliche Familien weitergab. Mit einem Arzt und einem Apotheker war er mit der mobilen aus Spenden finanzierten Arztstation in vier Bergdörfern unterwegs, um chronisch Kranke mit Medikamenten zu versorgen. Er sah und erlebte sehr viel in dieser Woche im Nordirak, manche Schicksale waren nur schwer zu verkraften. Die Flüchtlinge waren sehr dankbar für unsere Spenden in jeder Form, auch wenn sie insgesamt nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind. Viele baten Pfarrer Kurzke, sie doch mitzunehmen in unser sicheres Europa, denn die Zukunft ist für die meisten ungewiss. „Helft uns nicht nur mit Spenden, sondern schließt uns vor allem auch in eure Gebete ein“, so lautet die eindringliche Botschaft, die Pfarrer Kurzke von seiner Reise mitbrachte und den zahlreichen Besuchern des Gemeindeabends übermittelte. Zum Abschluss sagte er, dass das Spendenkonto für das Hilfsprojekt auch weiterhin bestehen wird und bat die Anwesenden um Offenheit und brüderliches Handeln gegenüber allen Flüchtlingen, die auch künftig aus großer Not zu uns kommen werden, um Hilfe und Unterstützung für ein menschenwürdiges Leben zu erhalten.

Monika Grzanna

 

Gemeindeabend mit Pfr. Eberhard Grüneberg

Zu einem weiteren Gemeindeabend hatte die Kirchengemeinde Rüdersdorf/ Kraftsdorf am 18. November 2014 eingeladen. Zahlreiche Besucher aus Rüdersdorf und Umgebung und dem Erlbachtal waren ins Gemeindezentrum gekommen, um ihren ehemaligen Pfarrer Eberhard Grüneberg wiederzusehen und vor allem mit ihm ins Gespräch zu kommen. Die Freude darüber war auf beiden Seiten groß und zog sich durch den gesamten Abend. 11 Jahre war der sympathische Kirchenmann für das Pfarramt Rüdersdorf verantwortlich und auch das 1997 eingeweihte Gemeindezentrum entstand während seiner Amtszeit. Seit dem Jahr 2000 ist er mit großem Engagement in verantwortungsvoller Funktion als Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland als Oberkirchenrat tätig. Vom hohen Amt und dem wohl klingenden Titel merkten die Besucher jedoch nichts. Eberhard Grüneberg gestaltete den Abend so, wie man ihn kennt – natürlich, unverstellt und ganz nahe dran an den Menschen. Als Thema für den Gemeindeabend hatte er sich die Jahreslosung der Herrnhuter Brüdergemeine für 2014 aus Psalm 73 ausgesucht, die da lautet: „Gott nahe zu sein, ist mein Glück“.

Dass das Nachdenken über diese prägnanten Worte gar nicht so einfach und sehr vielgestaltig ist, machte ohne Zweifel den besonderen Reiz des Abends aus. Eberhard Grüneberg gab unumwunden zu, dass dieses Bibelwort in Bezug auf das Glück nicht so recht anwendbar für ihn sei. Das Thema Nähe, das viel mit Vertrautheit zu anderen Menschen zu tun hat, liege ihm eindeutig mehr am Herzen. Erzwingen lässt sich Nähe nicht, manchmal bleibt sie einseitig. Die Nähe zu Gott hält dagegen meist ein Leben lang, was für ihn ein Wunder ist. Ebenso wichtig seien Nächstenliebe und eine belastbare Beziehung mit Gott, die trotz vieler Probleme auf großem Vertrauen basiert.

Zwischendurch sprach Pfarrer Grüneberg über Begegnungen und ergreifende Erlebnisse aus seinem Leben und regte damit seine aufmerksamen Zuhörer zum Philosophieren und Mitreden an. Interessante Erkenntnisse erwuchsen daraus, z.B., dass großes Glück oft nur kurz anhält, dass viele kleine Glücksmomente wichtig sind, dass man Glück oft erst im Rückblick erkennt und dass es ein großes Geschenk Gottes ist, für das wir dankbar sein können. Freude kann im Gegensatz zum Glück dauerhaft sein und tiefer gehen. In der Bibel kommen Äußerungen zum Thema Glück nur selten direkt vor. Martin Luther fand andere Worte für den Text der Jahreslosung: „Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte“. Auch die Seligpreisungen Jesu in der Bergpredigt kann man mit Glücklichsein gleichsetzen. Beides gibt Orientierung und Kraft im oft schweren und mit Sorgen belasteten Leben. Ein Besucher drückte es so aus: „Ich bin glücklich, weil ich Gott vertrauen kann, er hilft mir, wenn es mir schlecht geht.“

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Pfarrer Eberhard Grüneberg für diesen berührenden und bewegenden Gemeindeabend.

Die Reihe der Kaminabende wird im neuen Jahr mit interessanten Themen und Gästen fortgesetzt.

Monika Grzanna

Gemeindeabend mit Pfr. Roland Geipel

Zum zweiten Gemeindeabend am Kamin hatte die Kirchengemeinde Rüdersdorf/ Kraftsdorf am 7. Oktober 2014 eingeladen. Pfarrer im Ruhestand Roland Geipel aus Gera sprach zum Thema „25 Jahre Wende“. Für seinen sehr lebendigen Vortrag, den zahlreiche Besucher mit großem Interesse verfolgten, hatte er sich das beziehungsreiche und absolut passende Bibelwort „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ aus Psalm 18 ausgesucht.

Pfarrer Geipel, der sich selbst nicht „im Ruhestand“, sondern stattdessen immer „in Reichweite“ befindet, stellt sich als vitaler 75-Jähriger immer wieder gern solchen Vorträgen. Er ist bekannt als Pfarrer im Neubaugebiet Gera-Lusan vor und nach der Wende mit großem Einsatz für die Menschen, als führender Kopf bei den Friedensgebeten und Demonstrationen zur Wendezeit im Herbst 1989 in Gera. Im Bürgerkomitee setzte er sich aktiv für die Aufarbeitung der Stasiunterlagen und gegen ihre Vernichtung ein, was nicht immer ohne Gefahren war. Bis heute arbeitet er als aktiver und kritischer Mitgestalter in Kirche und Gesellschaft an der Verwirklichung der Wendeziele mit. So konnte er über sehr viele persönliche und geschichtliche Ereignisse und Erlebnisse berichten.

Die Wende oder die friedliche Revolution vor 25 Jahren bedeutet für ihn auf jeden Fall die Bereitschaft zum Wagnis und Risiko und die Mitarbeit vieler einzelner Menschen sowie großer Persönlichkeiten. Er erlebte viel und wagte viel in seinem Leben, ging als Jugendlicher in die BRD und kehrte als junger Mann in die DDR zurück. Bei der Rückkehr wurde er sehr intensiv von der Staatssicherheit überprüft. Seitdem setzt sich Roland Geipel ebenso intensiv mit jeder Gesellschaftsform auseinander. Seine Aufgabe sieht er bis heute darin, sie in der ersten Reihe zu verbessern, denn die bestehende Gesellschaftsordnung wird immer und in jeder politischen Zeit im Leben der Menschen wider gespiegelt. Für ihn war die DDR ein Unrechtsstaat. Ebenso ist ihm bewusst, dass auch heute nicht alles gut und richtig ist, doch er versucht stets, das Positive zu sehen. Heute ist es für ihn wichtig, unabhängig vom Alter Aufgaben in Kirche und Gesellschaft zu übernehmen, sich für etwas einzusetzen und wenn es sein muss auch Widerstand zu leisten, denn man kann damit etwas erreichen. „Das Heute steht und fällt mit dem, was durch die Wende ausgelöst wurde. Dazu gehört auch immer wieder die Auseinandersetzung mit dem Gestern, aber auch die Frage, wieso alles so gekommen ist, wie es heute ist“, so Pfarrer Geipel. Deshalb seien Rückblicke dieser Art notwendig und ebenso Offenheit, Problembearbeitung und die Ausblicke in die Zukunft.

Gut und Geld hält der engagierte Kirchenmann für unwichtig, die inneren Werte zählen für ihn und die Fähigkeit der Menschen, sich immer wieder neu um- und einzustellen auf aktuelle Gegebenheiten. Dazu brauchen wir Menschen, die Anstöße geben, die Wege und Richtungen aufzeigen, in Gesprächen und Begegnungen. Die Kirche in unserer Zeit mit ihren vielen Veränderungen sieht er anziehend und herausfordernd zugleich. Als Christen können wir beten und um alles bitten, für alles Gute sollten wir dankbar sein. Seinen Zuhörern wünschte Pfarrer Geipel immer wieder Begegnungen mit Menschen, nach denen man sagen kann, es lohnt sich zu leben, dann kann man scheinbar Unmögliches schaffen und auch heute mit seinem Gott über Mauern springen.

 

Monika Grzanna

Gemeindeabend mit Regionalbischof Diethard Kamm

Zu einem besonderen Gemeindeabend hatte die Kirchengemeinde Rüdersdorf/ Kraftsdorf am 11. Februar 2014 ins Gemeindezentrum Rüdersdorf eingeladen. Propst Diethard Kamm, neuer Regionalbischof für die Region Gera/ Weimar und Stellvertreter der Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland war dem Ruf von Pfarrer Christian Kurzke gern gefolgt, um den Auftakt für die neue Reihe der Gemeindeabende zu gestalten. Sein Anliegen war es, mit der Gemeinde zum Thema „Chancen und Herausforderungen kirchlicher Arbeit im ländlichen Raum“ ins Gespräch zu kommen. Als Grundlage dafür hatte er sein Lieblingsbibelwort aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer, Kapitel 1, Verse 16 bis 17 ausgesucht. Es lautet sinngemäß: Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht, der Gerechte wird aus Glauben leben. Worte, geschrieben vor ca. 1.800 Jahren, die bis heute nichts an Bedeutung und Aktualität verloren haben.

Für den erfahrenen Kirchenmann – Diethard Kamm ist seit 34 Jahren Pfarrer – haben und hatten Glauben und Religion immer etwas mit Politik und dem Leben der Menschen zu tun. Das hat für ihn stets zusammen gehört, auch zu DDR-Zeiten. Dabei dachte er vor allem an Friedensgebete und offene Kirchen zur Wendezeit. Früher wie heute sollten Christen von ihrem Glauben erzählen und sagen, warum sie an Gott glauben und weshalb sie sich für ihre Kirche engagieren. Kein leichtes Vorhaben in Zeiten, da die Zahl der Kirchenmitglieder ständig zurückgeht. In Ostthüringen gehören ohnehin nur ca. 10 % der Bevölkerung einer Kirche an. Da wird man als Christ eher belächelt und mancher fragt sich, ob sich das überhaupt noch lohnt. Den Zweiflern antwortete Diethard Kamm entschlossen: „Im Gegenteil, es lohnt sich“. Daran schloss er gleich die Frage an: „Was haben wir von unserem Glauben?“ und gab selbst die Antwort: „Wir haben Gemeinschaft, Begleitung in allen Lebensphasen, wir bekommen Trost in schweren Zeiten und Orientierung für unser Leben“. Eine Teilnehmerin konnte das nur bekräftigen. Sie berichtete von ihrer schweren Erkrankung, bei der ihr Leben auf der Kippe stand. Sie sei überzeugt, dass sie ohne ihren festen Glauben und die Hilfe Gottes heute nicht mehr am Leben wäre. Ein anderer Teilnehmer sagte, dass er im Glauben den Sinn seines Lebens und in der Kirche eine Heimat gefunden habe. Kirchen sind für ihn Orte der Ruhe und Kraft, wo man seine Sorgen fallen lassen und neue Kraft tanken kann.

„Genau solche Geschichten und Aussagen machen Kirche glaubwürdig und zeugen von der großen Kraft des Glaubens“, führte Propst Kamm weiter aus. Er sieht Kirchen auch als Rückzugsorte in schweren Zeiten und dachte dabei an die Geschehnisse am Erfurter Gutenberggymnasium im Jahr 2002 und an den Irakkrieg. Kirchen stiften Identität, sie geben Sinn und Halt, die Kirche in meinem Dorf, sie gehört zum Ortsbild und zu mir als Christ. 

„Als Kirche sind wir kein christlicher Verein, der sich nur mit sich selbst beschäftigt“, fuhr Kamm fort. Er verglich die Kirche etwas salopp mit der Feuerwehr, wobei es zwar gut ist, dass sie da ist, aber für die Mehrzahl der Menschen sei es besser, man brauche sie nicht. Hinzu kommt, dass vielen Menschen kirchliche Rituale, die man als Christ von Eltern und Großeltern vorgelebt bekam, heute völlig fremd sind. Und noch einen wichtigen Fakt merkte Diethard Kamm an: „Massive Kirchenaustritte gab es in Ostthüringen nicht erst in der DDR, sondern bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Nach dem 1. Weltkrieg vollzogen sich große Veränderungen in der Gesellschaft, die Landesfürsten, bis 1918 auch die Kirchenherren, mussten abdanken. Es folgte die Trennung von Kirche und Staat, für die Kirchen ein großes Problem, sie hatten keine Antworten mehr auf die neue Lage und die Probleme der Menschen. Die Kirchen leerten sich, die Menschen suchten nach anderen Alternativen“.

Heute haben wir eine ähnliche Situation, mit der die Kirche umgehen und zurechtkommen muss. Weniger Gemeindeglieder ziehen größere Kirchspiele nach sich, Strukturen ändern sich, Finanzen werden knapper. Der Pfarrer schafft nicht alles allein, er muss Schwerpunkte setzen und bedarf der breiten Mitarbeit von Ehrenamtlichen. Hier meldete sich Pfarrer Christian Kurzke zur Wort, der sagte: „Man braucht Visionen für die Arbeit, damit man nicht nur die Probleme sieht und resigniert, sondern das Positive, das es auch in unseren Gemeinden gibt.“ Er verwies auf den neuen Spielplatz in Rüdersdorf, der als kirchliche Initiative für die gesamte Gemeinde entstand und auf den Kinderchor, der sich großer Beliebtheit erfreut.

Was sind also heute, hier und jetzt die konkreten Aufgaben der Kirchen? Was können wir für die Menschen tun? Propst Diethard Kamm stellte dazu zahlreiche Ideen sowie interessante  Überlegungen und Beispiele in den Raum. „Wir müssen die Hoffnungslosigkeit vertreiben, denn wer sollte Hoffnung haben, wenn nicht wir? Wir müssen den Menschen sagen, wie sie mit ihren Problemen und Brüchen zurechtkommen, es ihnen glaubhaft vermitteln, es einfach tun und dabei auch Grenzen und soziale Unterschiede aufheben“. Als Beispiel nannte er das Restaurant des Herzens der evangelischen Stadtmission Erfurt. Weiter führte er aus: „Wir sollten dabei auch die Menschen, die nichts mit der Kirche zu tun haben, einbeziehen. Wir müssen missionarisch tätig werden, nicht als Werber, sondern als Übersetzer des Evangeliums. Das ist nicht nur Aufgabe der Pfarrer, sondern auch der Gemeindeglieder. Wir sollten den Menschen etwas bringen und weiter geben, das gut für sie ist und uns allen zum Leben hilft: positive Geschichten erzählen, so reden, dass es jeder versteht, Vorbild sein, Lust auf Visionen machen und sich an den positiven Dingen freuen. Bei alldem soll Kirche kein Zwang sein, sondern eine freie Entscheidung. In jedem Ort muss es Kirche als Anlaufpunkt geben und Menschen, die verbindlich dafür stehen, an die man sich wenden kann.“ Schließlich legte Diethard Kamm auch seine Vorstellungen von offenen Kirchen dar: „Bei 7 oder noch mehr Predigstellen im Kirchspiel kann der Pfarrer am Sonntag zwei Gottesdienste halten, alle anderen Kirchen könnten offen sein für Andachten, die Gemeindeglieder halten.“

Viele gute Anregungen, überzeugende, klare und einfache Worte aus dem Munde des Regionalbischofs, die jeder verstand. Dabei  blieb Diethard Kamm stets auf einer Linie mit seinen Zuhörern, so wie es der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer tat. Das machte ihn und diesen Abend authentisch, richtungweisend und wertvoll. Jeder konnte etwas für sich mitnehmen sowie Trost und Stärkung für seinen Glauben oder das Ehrenamt erfahren. Seine Worte werden auch zur Diskussion in der Kirchengemeinde anregen, einige seiner Vorschläge, wenn auch nicht alle, werden umgesetzt werden können. Die Besucher dankten Diethard Kamm mit herzlichem Applaus.

Für den nächsten Gemeindeabend ist der Leiter der Diakonie Mitteldeutschland und ehemalige Pfarrer von Rüdersdorf, Eberhard Grüneberg, eingeladen. 

Monika Grzanna


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